Neue Studie zum Fuchsbandwurm bei Raubwild auf Rügen

25.10.2023 Pressemitteilung - Landesjagdverband Mecklenburg-Vorpommern e.V.

Jagdschulatlas Magazin - Neue Studie zum Fuchsbandwurm bei Raubwild auf Rügen
Foto: Henning Voigt

Im Herbst beginnt eine neue Studie zum Fuchsbandwurm bei Raubwild auf Rügen. Was ist das Ziel der Studie? Das Vorkommen des kleinen Fuchsbandwurms auf Rügen ist schon länger bekannt, wie aus einer ca. 10 Jahre alten Vorstudie des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) hervorgeht.

Allerdings sind aktuell weder der prozentuale Anteil befallener Füchse, noch die Faktoren, die sein Vorkommen begünstigen, für Rügen ausreichend dokumentiert. Das Wissen dazu ist erforderlich, um Gesundheitsgefahren für Menschen, insbesondere für solche, die Kontakt zu Füchsen oder ihren Losungen haben, richtig einschätzen und gegebenenfalls geeignete Gegenmaßnahmen ergreifen zu können. Dies ist sowohl für die lokale Bevölkerung als auch für die Urlauber auf der Insel bedeutsam.

Ein zentrales Anliegen dieser Studie des FLI zusammen mit dem Helmholtz-Institut für One Health, der Universität Greifswald, dem Landesjagdverband Mecklenburg-Vorpommern e.V. und dem regionalen Jagdverband Rügen-Hiddensee e.V. ist die Untersuchung zum kleinen Fuchsbandwurm (Echinococcus multilocularis), einem Parasiten, der neben Füchsen auch Marderhunde als Endwirt nutzen kann. Darüber hinaus gilt die Suche einem weiteren Parasiten, dem Waschbärspulwurm (Baylisascaris procyonis). Infektionen des Menschen mit diesen Parasiten können schwerwiegende Folgen haben, wenn sie nicht rechtzeitig erkannt und behandelt werden. Daher möchte diese Studie nicht nur die Situation im Fuchs sondern auch die in Marderhunden und Waschbären erfassen.

Die Infektion mit dem Fuchsbandwurm nach oraler Aufnahme von Eiern führt beim Menschen oft erst nach vielen Jahren in betroffenen Organen, bevorzugt in der Leber, seltener in Lunge und Gehirn, zu einem sich tumorartig ausbreitenden Larvengewebe. Das entsprechende Krankheitsbild wird als alveoläre Echinokokkose bezeichnet. Ohne Behandlung ist die Infektion tödlich. Die Therapie ist schwierig und erfordert meist eine lebenslange Einnahme von Medikamenten. Die Infektion mit dem Waschbärspulwurm und anderen Spulwürmern kann durch eine Wanderung der Larven (Larva migrans) betroffenes Körpergewebe zerstören und so zu vielfältigen Symptomen führen. Auch hier sind es die vom Endwirt in großer Zahl mit dem Kot ausgeschiedenen Parasiteneier, die beim Menschen durch orale Aufnahme zur Infektion führen können. Die Eier dieser oben genannten Parasiten sind äußerst resistent und können problemlos mehrere Monate in der Umwelt überleben.

Da Trichinellose eine bedeutsame Zoonose ist, werden die Probestücke auch auf Trichinen untersucht.

Warum ist die Jägerschaft für den Erfolg des Projekts so wichtig?
Für die erfolgreiche Umsetzung des Projekts ist die Mithilfe der Jägerschaft Rügens eine unabdingbare Voraussetzung. Das neue Projekt steht in enger Verbindung und Kooperation mit dem seit vielen Jahren laufenden Projekt des Thünen-Instituts (Eberswalde) zum Populationsstatus von Fuchs, Marderhund und Dachs auf Rügen im Auftrag des Ministeriums für Klimaschutz, Landwirtschaft, ländliche Räume und Umwelt Mecklenburg-Vorpommerns. An diesem Projekt ist das FLI bereits beteiligt. Die in diesem Frühjahr gefangenen Fuchs- und Marderhundwelpen werden bereits in dieser Studie mit untersucht.

Was ist geplant?
Über einen Zeitraum von drei Jahren – beginnend im Herbst diesen Jahres - sollen flächendeckend auf Rügen erlegte oder frisch tot aufgefundene Füchse, Marderhunde und Waschbären möglichst umfassend gesammelt und später am FLI untersucht werden. Auch das Nationalparkamt Vorpommern mit den Nationalparks Jasmund und Vorpommersche Boddenlandschaft, der Landschaftspflegeverband Rügen, das Forstamt Rügen und die DBU Naturerbe GmbH werden das Projekt aktiv durch das Erlegen von Fuchs, Marderhund und Waschbär unterstützen.

Das FLI wird auf Rügen – unterstützt durch das Präsidium des Landesjagdverbands, den Jagdverband Rügen-Hiddensee, die Hegeringe und interessierte Jägerinnen und Jäger - fünf bis sechs Sammelstellen einrichten. An diesen Stellen werden Gefriertruhen bereitgestellt, um die erlegten Wildtiere zu lagern, bis sie für die weitere Untersuchung vom FLI in regelmäßigen Abständen abgeholt werden. Dort stellt das FLI alle benötigten Utensilien zum Einsammeln und Lagern der Tiere zur Verfügung, wie z.B. Kadavertüten mit Probenbegleitmarken, Informationsblätter sowie kurze Formulare zur Dokumentation des Erlegungsorts/Fundorts (z.B. über GPS- Koordinaten). An den Sammelstellen werden außerdem die Kontaktdaten mehrerer Ansprechpartner ausgelegt sein, die bei Fragen oder Anliegen weiterhelfen können.

Jeder erlegte Fuchs, Marderhund und Waschbär kommt so einer wichtigen Verwertung zu und muss nicht entsorgt werden. Wenn der Balg genutzt werden soll: Auch der gestreifte Kern ist uneingeschränkt für die Untersuchung geeignet. Es wird darum gebeten, neben adulten Stücken auch Jungtiere zu berücksichtigen (z.B. Fang mit Eberswalder Jungfuchsfalle).

Da auch Hunde Träger des Fuchsbandwurms oder von Spulwürmern sein können, wird den teilnehmenden Jägerinnen und Jägern im Projektzeitraum angeboten, ihre Jagdgebrauchshunde regelmäßig parasitologisch am FLI kostenfrei untersuchen zu lassen (Sammelkotproben). Auch dazu werden quartalsweise an den Sammelstellen die entsprechenden Utensilien, Informationsblätter sowie Probenbegleitscheine bereitgestellt werden. Dahingehend erfolgen noch gesonderte Informationen und die Ausgabe von Probenröhrchen.

Wir bitten alle Jägerinnen und Jäger auf Rügen um Unterstützung!

Für alle Informationen rund um das Projekt findet am Mittwoch, den 08.11.23 in der Ostseehalle Glowe eine Auftaktveranstaltung statt. Beginn ist 18:00 Uhr. Alle Jagdausübungsberechtigten und jagdlich Interessierten sind dazu, auch im Namen des Jagdverbandes Rügen-Hiddensee, recht herzlich eingeladen.

Anlässlich dieser Informationsveranstaltung werden Vertreter des FLI, des Thünen- Instituts und des Jagdverbands Rügen Hiddensee Projektziele und Hinweise zur praktischen Umsetzung vorstellen. Hier erfolgt auch die Ausgabe der ersten „Sammelsets“ (Kadaversäcke, Handschuhe, Probenbegleitmarken und Probenbegleitscheine).

Besonders wichtig ist die genaue Verortung des Erlegungs- bzw. Fundortes des Tieres. Dazu soll ausdrücklich die kostenlose Tierfund-Kataster-App des Deutschen Jagdverbands genutzt werden oder eine Standortmarkierung mit Angabe der geografischen Koordinaten erfolgen. Alle Informationen zur Tierfund-Kataster-App finden Sie auf: https://tierfund-kataster.de/ bzw. auf YouTube unter https://www.youtube.com/watch?v=nb2DRcV1qj8 Bitte registrieren Sie sich dazu in der App. Tragen Sie dann bei Erlegung oder Fund eines Fuchses, Marderhundes oder Waschbärs alle Angaben in der App ein. Als Todesursache bitte „Rügen-Projekt“ wählen. Bei den Anmerkungen bitte die Probennummer vermerken. Diese Probennummer (ID, vorbeschriftete Probenbegleitmarke/ Identifikationsnummer) finden Sie im Sammelset und befestigen diese dann mittels Kabelbinder am Tierkörper. Die Eintragung des Erlegungsortes und genaue Verortung auf der Karte ist auch von zu Hause aus möglich. Sie erleichtern die Zuordnung der Probentiere durch Verwendung der App sehr. Ein Hochladen von Fotos ist nicht erforderlich. Die App kann auch für die Meldung sonstiger Tierfunde (z.B. Wildunfall an Straße) genutzt werden. Sie unterstützen damit das wichtige Anliegen der Wildunfallprävention.

Sollte das Verwenden der Tierfundkataster-App nicht möglich oder gewünscht sein, kann alternativ ein Probenbegleitschein mit genauer Ortsbeschreibung/ Geokoordinaten verwendet werden. Bringen Sie bitte dann die markierten Tierkörper zur jeweiligen Sammelstelle/ Kühltruhe. Bitte melden Sie sich dazu gegebenenfalls vorher beim benannten Ansprechpartner für die Kühltruhe. Bei kühlen Temperaturen unter 7°C können die Tierkörper auch einige Tage gesammelt werden.

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25.10.2023 Pressemitteilung - Landesjagdverband Mecklenburg-Vorpommern e.V.

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