Nationalpark Eifel: Zahl der Arten erneut gestiegen

23.06.2023 Pressemitteilung - Landesbetrieb Wald und Holz NRW

Nationalpark Eifel: Zahl der Arten erneut gestiegen - Landesbetrieb Wald und Holz NRW
Foto: Fotofalle/ Nationalparkverwaltung Eifel

Mehr als 11.300 nachgewiesene Tier-, Pilz- und Pflanzenarten, rund eine Million Besuche und Bestnoten für die Naturerlebnis- und Umweltbildungsangebote: Vom Nationalpark Eifel profitiert nicht nur die Natur, auch für die Menschen in der Region und darüber hinaus hat sich das Großschutzgebiet zu einem beliebten Ziel für Naturtourismus und Umweltbildung entwickelt.

Das zeigt der neue Jahresbericht 2022 der Nationalparkverwaltung Eifel. „Nordrhein-Westfalen hat eine einzigartige Natur und eine faszinierende Artenvielfalt“, sagte Umweltminister Oliver Krischer bei der Vorstellung des Berichtes in Schleiden. „Unser Nationalpark Eifel ist seit nunmehr fast 20 Jahren ein wertvoller Hort der biologischen Vielfalt, Faktor einer nachhaltigen Entwicklung und Vorbild des sanften Natur-Tourismus.

Der Nationalpark Eifel ist ein voller Erfolg für Mensch, Natur und die Region. Er beherbergt seltene und gefährdete Arten und zeigt den Menschen mit seinen vielfältigen Angeboten, wie einmalig und schützenswert die Natur vor unserer Haustür ist. Ich bin ein großer Fan des Nationalparks und das schon seit der ersten Stunde.“ Seit seiner Gründung am 1. Januar 2004 zeige der einzige Nationalpark in Nordrhein-Westfalen, dass er ein wichtiger Motor der wirtschaftlichen Regionalentwicklung ist.

Mit 1.016.880 registrierten Besuchen überschritten die Besuchszahlen im letzten Jahr das dritte Mal in Folge die Marke von einer Million Gäste. Seit der ersten Volluntersuchung 2007 (450.000 Gäste) haben sich die Besucherzahlen des Nationalparks mehr als verdoppelt. Um regionalökonomischen Effekte zu ermitteln, wurde 2022 eine große sozioökonomische Wiederholungsuntersuchung begonnen. Eine Studie aus den Jahren 2014/2015 zeigte, dass der Nationalpark in der Region bei damals 870.000 Besuchen einen Bruttoumsatz von über 30 Millionen Euro bewirkte, was rechnerisch 674 Arbeitsplätzen entspricht.

„Der Nationalpark Eifel und die Region zeigen, wie erfolgreicher Naturschutz umgesetzt werden kann und davon Natur und Mensch gleichzeitig profitieren. Hieran wollen wir anknüpfen und noch im Sommer den Startschuss für das Beteiligungsverfahren zur Errichtung eines zweiten Nationalparks in Nordrhein-Westfalen geben“, kündigte Minister Krischer an. Denn auch in Nordrhein-Westfalen habe man trotz Erfolge im Naturschutz weiterhin einen Verlust an biologischer Vielfalt. „Etwa 45 Prozent der untersuchten Tier-, Pilz- und Pflanzenarten sind gefährdet, vom Aussterben bedroht oder bereits ausgestorben. Diesen Trend wollen und müssen wir umkehren“, sagte Minister Krischer. „Denn die Biodiversitätskrise ist neben der Klimakrise die zweite große ökologische Herausforderung unserer Zeit.“

Biologische Vielfalt profitiert durch Nationalpark

Gerade der Nationalpark Eifel zeigt, welche positive Wirkung ein solches Großschutzgebiet mit seinen gut 10.700 Hektar auf die Artenvielfalt hat. Unter den 11.356 nachgewiesenen Arten im Nationalpark befinden sich 2.614, die auf der „Roten Liste der gefährdeten Arten“ stehen. So leben im Nationalpark Wildkatzen, Milane, Mauereidechsen, gelbe Wildnarzissen und zunehmend auch typische Arten für alte Wälder wie den „Urwald-Pilz“ Ästiger Stachelbart.

Allein im Jahr 2022 konnten Forscherinnen und Forscher weitere 156 Arten nachweisen. Ein neu gefundener Pilz ist beispielsweise der Duftende Goldporling, der an einem älteren Baumstumpf direkt am Bachufer gefunden wurde. Ein Neufund für Nordrhein-Westfalen ist der Schmetterling Pammene agnotana. Insgesamt umfasst die Artenliste der Schmetterlinge inzwischen 1.430 Arten. „Die nachgewiesenen Arten und die Entwicklung der Wälder zeigen, dass die Natur im Nationalpark nach und nach in ihre Kreisläufe zurückfindet und von den ungestörten Lebensräumen profitiert“, sagte Dr. Michael Röös, Leiter der Nationalparkverwaltung. Auffällig war 2022 auch das häufige Auftreten des Kleinspechtes. Mindestens ein Uhupaar konnte zudem erfolgreich zwei Jungvögel aufziehen. Für Überraschung sorgte im März ein Schneesperling auf der Dreiborner Hochfläche, da diese Art normalerweise in alpinen Regionen vorkommt. In den Wäldern konnte die Nationalparkverwaltung feststellen, dass die Rotbuche, aber auch Bergahorn und Hainbuche häufiger werden, was ein Hinweis auf die Abnahme der Einflüsse früherer Nutzungen ist.

„Es ist wichtig und gut, dass es die Menschen in die Natur zieht, denn dann sehen sie, wie wertvoll und schützenswert die Natur ist. Genauso wichtig ist aber, dass sich alle Menschen an die Schutzbestimmungen halten – das ist wichtig für die dort lebenden Arten und fördert gleichzeitig ein vielfältiges Naturerleben für alle“, ergänzte Michael Röös.

Begonnen wurde 2022 zudem mit einem akustischen Fledermaus-Monitoring. An vier Standorten wurden hierzu Fledermausrufe mittels sogenannter Batcorder automatisch aufgezeichnet und später am Computer analysiert. Nach vorläufiger Auswertung stammen die 36.601 aufgezeichneten Rufe von mindestens 14 Arten. Die Rauhaut- und die Wimperfledermaus wurden dabei ausschließlich durch das akustische Monitoring nachgewiesen.

Dass es auch im Jahr 2023 bereits mit spannenden Entdeckungen weiterging, konnte Dr. Christa Lang, Leiterin des Fachgebiets Forschung und Dokumentation der Nationalparkverwaltung, berichten. So konnten im Juni 21 Gänsegeier beobachtet werden. Seit rund 100 Jahren gelten Gänsegeier in Deutschland als ausgestorben, allerdings werden immer wieder auch hierzulande Exemplare beobachtet.

Umweltbildung stark nachgefragt

Neben einem attraktiven Wegenetz finden im Nationalpark auch vielfältige Naturerlebnis- und Umweltbildungsprogramme statt. Über 23.000 Teilnehmende zählten die organisierten Veranstaltungen im Jahr 2022. Dabei erhielten die Programme Bestnoten. Über 95 Prozent gaben an, dass ihre Erwartungen an die Umweltbildungsprogramme der Wildniswerkstatt in Düttling erfüllt worden sind. Auch die Erlebnisausstellung „Wildnis(t)räume“ im Nationalpark-Zentrum Eifel und die Rangertouren bewerteten über 90 Prozent der Befragten mit sehr gut oder gut.

Zahlreiche Einrichtungen und Personen unterstützen die Bildungsarbeit im Nationalpark. So bieten 129 eigens für den Nationalpark Eifel ausgebildete Waldführerinnen und Waldführer individuelle Gruppenführungen an. 46 Schulen und 32 Kindertageseinrichtungen nahmen an einer speziellen Zertifizierung der Nationalparkverwaltung und des Nationalpark-Fördervereins teil. Auch 29 Junior-Ranger beendeten ihre Ausbildung. Sie bieten nun Familientouren für andere Kinder und deren Eltern oder Großeltern durch das Schutzgebiet an.

„Immer mehr Gäste sehnen sich nach authentischen Naturerlebnissen. Dafür kommen sie auch in den Nationalpark Eifel“, berichtet Michael Lammertz, der für das Besuchermanagement verantwortliche Fachgebietsleiter: „Die ‚Gratwanderung‘ zwischen Schutz und Erlebbarkeit von Nordrhein-Westfalens Nationalpark ist schmal. Sie kann nur gelingen, wenn Gästen bewusst ist, dass sie sich in einem wertvollen Lebensraum aufhalten, sie die Regeln kennen und wir attraktive Vorschläge zum Naturerleben anbieten. Dafür reichten klassische Informationsquellen wie Hinweistafeln oder Faltblätter nicht mehr aus, digitale Informationsquellen würden zur Planung von Ausflügen ins Grüne zunehmend wichtiger, so Lammertz.

Deshalb setzt er gemeinsam mit Jasmin Daus, Projektleiterin für Digitales Besuchermanagement der Nationalparkverwaltung, verstärkt auf Angebote in der digitalen Welt. „Seit 2018 veröffentlichen wir offizielle Tourenvorschläge in den Apps bekannter Wanderportale. Dieses Angebot wird stetig aktualisiert und optimiert. Derzeit sind es rund 70 Touren“, so Daus. „Außerdem stellen wir die Regeln zum Schutz der Natur als Open Data für Apps zur Verfügung. Auch die Korrektur der Kartengrundlagen, z.B. über OpenStreetMap, ist ein weiterer wichtiger Schritt zur Optimierung der Besucherlenkung im Sinne eines nachhaltigen Tourismus“, ergänzt die Fachfrau Jasmin Daus.

Eine Befragung der Deutschen Zentrale für Tourismus (DZT) bei ausländischen Gästen bestätigte eine ungebrochen große Beliebtheit des nordrhein-westfälischen Nationalparks. Bei der Frage nach beliebten Naturschönheiten oder Bauwerken in Deutschland belegte der Nationalpark Platz 32, womit er vor der Insel Sylt, dem Brandenburger Tor oder der Zugspitze liegt.

ÖPNV-Anbindung zum Nationalpark erweitert

Um die Erschließung mit Bus und Bahn zu stärken, hat der Kreis Euskirchen mit dem so genannten Kermeter-Shuttle 2022 eine zusätzliche Freizeitlinie in das Herzstück des Nationalparks Eifel entwickelt. Auch in Zukunft setzt die Nationalparkverwaltung auf die gute Zusammenarbeit mit der Region. So arbeitet sie im Nachhaltigkeitsbeirat der Nordeifel Tourismus GmbH (NeT) mit, in dem gemeinsame Strategien abgestimmt und Angebote entwickelt werden.

Bisher einziger Nationalpark in Nordrhein-Westfalen

Im Januar 2004 wurde der Nationalpark Eifel als erster Nationalpark in Nordrhein-Westfalen und 14. in Deutschland gegründet. Das Großschutzgebiet in der Nordeifel stellt die bodensauren, nährstoffarmen Laubmischwälder unter Schutz. Neben den Waldgebieten sind auch die zahlreichen Quellgebiete und Bachtäler sowie Felskomplexe ökologisch wertvolle und empfindliche Bereiche. Auf der Dreiborner Hochfläche mitten im Nationalpark Eifel ist das verwildernde Offenland von besonderer Schönheit. Rund um den Nationalpark Eifel besteht in Zusammenarbeit mit den Kommunen ein Informationsnetzwerk mit Nationalpark-Ausstellungen und touristischen Servicestellen. Die internationale Begegnungs- und Bildungsstätte Forum Vogelsang IP beherbergt das Nationalpark-Zentrum Eifel mit der interaktiven und barrierefreien Erlebnisausstellung „Wildnis(t)räume“. Bundesweit existieren heute 16 Nationalparke.

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