29.05.2026 Pressemitteilung - Landesforsten Rheinland-Pfalz

Im Zuge der Klimakrise nehmen Wetterextreme wie Starkniederschläge, Dürren und Stürme auch in Rheinland-Pfalz deutlich an Häufigkeit und Intensität zu. Das Ahrtal-Hochwasser bildete die traurige Spitze dieses allgemeinen Trends. Intakte Ökosysteme können Wetterextreme puffern und sind deswegen unersetzlich. In der Folge dieser Entwicklung wurden an vielen Stellen im Land aktiv Projekte zur Stabilisierung der Ökosysteme und zum Wasserrückhalt in der Landschaft initiiert.
Im Juni, Juli, September und Oktober 2026 sind z. B. insgesamt über 100 Freiwillige mit dem Bergwaldprojekt in Meckenbach, Hochwald und in Hachenburg im Einsatz. Die Freiwilligen werden verschiedene Arbeiten zum Wasserrückhalt durchführen: In der Walderschließung und ‑bewirtschaftung in Kooperation mit Landesforsten Rheinland-Pfalz ebenso wie in der Moorrenaturierung in Kooperation mit der Landesstiftung für Natur und Umwelt (SNU RLP). Mit den Einsätzen sollen die Teilnehmenden auch für die akuten Bedrohungen der natürlichen Lebensgrundlagen und einen achtsamen Umgang mit den Ressourcen sensibilisiert werden.
Intakte Wälder und Moore und ihre Vernetzung auf Landschaftsebene sind essenziell wichtig für einen funktionierenden Wasserrückhalt in der Landschaft (Schwammfunktion). Sie sind bedeutend für einen funktionierenden Naturhaushalt und unersetzlich im Sinne menschlicher Daseinsvorsorge und Risikominimierung etwa von Hochwasser, Erosion, Dürre etc.
Das Bergwaldprojekt e.V. hat für die Bereiche Wasserrückhalt im Moor und Wald eigene Expertise aufgebaut, die für die Moorwiedervernässung mit den Hochschulen in Münster, Eberswalde und Greifswald weiterentwickelt und validiert wird. Für das Thema Wasserrückhalt geschieht dies mit den Hochschulen in Geisenheim und Freiburg. Das Bergwaldprojekt e.V. ist Partner der SNU RLP und von Landesforsten Rheinland-Pfalz bei der praktischen Umsetzung von Maßnahmen zur Moorwiedervernässung und zum Wasserrückhalt im Wald.
Die Projektpartner Gemeinde Meckenbach, Landesforsten Rheinland-Pfalz, Hochschule Geisenheim, SNU RLP und Bergwaldprojekt e.V. stellen die Bedeutung eines intakten Wasserhaushalts in der Landschaft und eines funktionierenden Wasserrückhalts in Wald, Moor und Offenland exemplarisch und praxisnah anhand eines Kooperationsprojektes vor, an dem alle Projektpartner beteiligt sind. In dem Fall sind das die Projekte Meckenbach, Hochwald und Hachenburg. Es wird aufgezeigt, wie Flächenbesitzer*innen und -betreuer*innen, Wissenschaft und Ausführende zusammenarbeiten, um dieses Projekt koordiniert, wissenschaftlich fundiert, technisch versiert und praxiserprobt auf großer Fläche anzugehen und umzusetzen.
Der Wald oberhalb von Meckenbach im Forstamt Bad Sobernheim ist ein Ökosystem im Wandel. Die Hänge zeigen die Risiken kollabierender Waldökosysteme und ihrer Funktionen. Durch die Klimakrise häufiger und stärker werdende Extremwetterereignisse und eine zu hohe Verbiss- und Trittbelastung durch eine nicht heimische Muffelwild-Population sorgen für eine fortschreitende Erosion des Steilhanges oberhalb von Meckenbach. Diese bedroht die kleine Ortschaft schon bei mittelstarken Niederschlagsereignissen in Form von Schlamm und Geröll immer wieder, zuletzt 2023, als bei einem einzelnen Niederschlagsereignis 60 Tonnen Schutt in das Dorf gespült wurden.
Das Bergwaldprojekt wird in zwei Einsatzwochen mit Freiwilligen vom 28. Juni bis 11. Juli 2026 durch die geplanten Maßnahmen ein stabiles Waldökosystem fördern, das als natürlicher Wasserspeicher fungiert und den darunter liegenden Ort vor Hangrutschungen schützt. Unter Anleitung von Hendrik von Riewel, Sebastian Hiekisch und Christoph Wehner (alle Bergwaldprojekt e.V.) und in Kooperation mit Landesforsten Rheinland-Pfalz (Forstamtsleiter Rüdiger Scheffer, Revierleiter Tobias Helfenstein und Betriebsdisponent Manuel Schneider) werden die Freiwilligen in zwei Einsatzwochen mit Sappie, Kehrhaken und vereinten Kräften sogenannte Holzkästen zur Stabilisierung des Steilhangs errichten.
Diese traditionelle Bauweise verbindet robuste Eichenstämme zu langlebigen Stützstrukturen, die dem Hang Halt geben, den Wasserabfluss regulieren und die Fließgeschwindigkeit bremsen. Zum Schutz der Vegetation vor Verbiss bauen die Ehrenamtlichen einen Zaun, um eine natürliche Wiederbewaldung des erodierenden Steilhanges zu erreichen. Mit jedem stabilisierten Hangabschnitt wird nicht nur Sicherheit für die Gemeinde Meckenbach verbessert, sondern auch ein Beitrag zur Anpassung an Starkregenfolgen und zur Stabilisierung des Landschaftswasserhaushalts geleistet.
„Es ist zu erwarten, dass im Zuge der Klimakrise auch in anderen Mittelgebirgsregionen häufiger vergleichbare Herausforderungen auftreten – insbesondere dort, wo steile Hänge, kleine Bachläufe und Ortslagen eng beieinanderliegen. Das Vorgehen zur Hangstabilisierung sowie die Verbindung von Wasserrückhalt, Erosionsschutz und Wiederbewaldung kann hier als beispielhaft gelten“, so Jenny Eckes vom Projekt Schwammregion Soonwald-Nahe. Aus Sicht der Schwammregion zeigt das Beispiel Meckenbach besonders deutlich, wie eng Wasserrückhalt, Landnutzung und Risikominimierung zusammenhängen. Gleichzeitig macht Meckenbach sichtbar, dass es für wirksame Lösungen das Zusammenspiel verschiedener Akteure und ein abgestimmtes Vorgehen über Nutzungs- und Eigentumsgrenzen hinweg braucht.
Mit der SNU RLP arbeitet das Bergwaldprojekt seit mehreren Jahren und auch dieses Jahr mit Freiwilligen unter Anleitung von Laura Büttner, Zarah Greiner und Lutz Rohland (alle Bergwaldprojekt e.V.) in drei Einsatzwochen vom 7. bis 27. Juni unter anderem an der Wiederherstellung des Krempertsbruchs, einem Hangmoor am nördlichen Abhang des Hunsrück-Höhenzugs unterhalb des Erbeskopfes. Der Krempertsbruch ist durch seine hochwertige Artenausstattung ein für die Wiederherstellung von Lebensräumen entsprechend der UN-Dekade prädestiniertes Arbeitsgebiet, gleichzeitig liegt er aber auch direkt oberhalb von Deuselbach und ist in hydrologisch gutem Zustand ein Hochwasserschutz für die Ortschaft.
„Wald- und Hangmoore sind Bausteine im Wasserhaushalt der Landschaften, die von ihrem Einzugsgebiet abhängen, aber auch durch eine gleichmäßige Wasserspende darauf zurückwirken“, so Lutz Rohland, Projektleiter Moor beim Bergwaldprojekt.
Langjährige Messungen der Universität Koblenz-Landau zur Wirksamkeitsuntersuchung von Grabenverschlüssen in Feuchtgebieten im Rahmen von EU-LIFE+ „Hochwald“ haben ergeben, dass diese nach Maßnahmenumsetzung durch eine stärkere Verzögerung des Abflusses der Hochwasserbildung entgegenwirken können.
Im Forstamt Hachenburg arbeitet das Bergwaldprojekt mit Freiwilligen und in Kooperation mit Landesforsten Rheinland-Pfalz u. a. seit vielen Jahren am Gewässerverbau in Erosionsrinnen und der Renaturierung ehemaliger Feucht- und Moorwälder durch den Verschluss von Entwässerungsgräben. Die Westerwaldbank finanziert diese Arbeiten als kontinuierlicher Sponsor von Beginn an. Dieses Jahr findet die Projektwoche mit Freiwilligen in Hachenburg vom 27. September bis 3. Oktober unter Anleitung von Jonas Marks (Bergwaldprojekt e.V.) mit der Exkursion "Wasserrückhalt im Wald" am 30. Oktober am Forstamt Hachenburg / Waldbildungszentrum statt.
Alle Bergwaldprojekt-Einsatzwochen werden von Bildungsarbeit begleitet und dadurch u. a. die durchgeführten Arbeiten in einen größeren Umwelt- und Nachhaltigkeitszusammenhang gesetzt. In jeder Bergwaldprojekt-Woche ist eine Exkursion vorgesehen, bei der die vielfältigen Aspekte des Ökosystems vor Ort näher beleuchtet und seine Bedeutung und Bedrohung besser verständlich gemacht werden. Das konkrete Beispiel hilft dabei, die globalen ökologischen Krisen zu veranschaulichen.
Untergebracht werden die Freiwilligen für die Wochen in Mehrbettzimmern. Köch*innen des Bergwaldprojekts kümmern sich um die vegetarische, biologische und möglichst regionale und saisonale Verpflegung der Ehrenamtlichen.
Jens Göttfert von Landesforsten Rheinland-Pfalz sagt: „Wir freuen uns sehr über das große Engagement der Freiwilligen, uns bei der naturnahen Waldentwicklung vor Ort zu unterstützen. Wasserrückhalt im Wald ist schon lange ein zentraler Bestandteil unserer Arbeit. Gemeinsam leisten wir einen wertvollen Beitrag für den Erhalt des Waldes, die Förderung gemischter, stabiler und artenreicher Wälder der Zukunft und letztlich für die Krisenprävention rund um Hochwasser, Dürre und Erosion.“
Laura Büttner (Projektleiterin beim Bergwaldprojekt e. V.) ergänzt: „Die Teilnehmenden lernen bei ihrer gemeinsamen Arbeit nicht nur die enorme Bedeutung von Ökosystemen kennen, sondern entwickeln auch neue Beziehungen zur Natur. Die gemachte Erfahrung der Selbstwirksamkeit motiviert die Teilnehmenden oftmals auch darin, den eigenen Alltag naturverträglicher und damit zukunftsfähiger zu gestalten.“
Das Bergwaldprojekt organisiert seit mehr als 35 Jahren Freiwilligeneinsätze im Wald, Moor und in Offenlandschaften. 2026 bringt der Verein mit seinen Einsatzwochen in Deutschland ca. 5.000 Freiwillige in die Natur. Dazu finden mehr als 170 Projektwochen an gut 90 verschiedenen Standorten in allen Regionen Deutschlands statt. Ziele der Arbeitseinsätze sind, die vielfältigen Funktionen der Ökosysteme wiederherzustellen und zu stabilisieren, den beteiligten Freiwilligen die Bedeutung und Bedrohung der natürlichen Lebensgrundlagen bewusst zu machen und daran mitzuarbeiten, unsere Lebens- und Wirtschaftsweise nachhaltiger zu gestalten. Der Verein finanziert seine Arbeit größtenteils aus Spenden. Dieses Jahr finden zudem 20 einzelne Einsatztage in ganz Deutschland statt, an denen standortheimische Bäume gepflanzt werden.
Das Bergwaldprojekt ist für den Einsatz der letzten Jahrzehnte mit mehr als 50.000 Freiwilligen vom Bundesamt für Naturschutz als UN-Dekade-Projekt zur Wiederherstellung der Ökosysteme ausgezeichnet.
Rheinland-Pfalz ist mit 43 Prozent Waldanteil an der Landesfläche das waldreichste Bundesland in Deutschland, Landesforsten Rheinland-Pfalz hat die hoheitliche Aufsicht über die Wälder im Land. Landesforsten Rheinland-Pfalz bewirtschaftet als Landesbetrieb mit 44 Forstämtern rund 213.000 Hektar landeseigene Wälder. Für ca. 628.000 Hektar Gemeinde- und Privatwald übernimmt Landesforsten Aufgaben der Beratung und Dienstleistung.
Neben den Forstämtern betreibt Landesforsten u. a. eine eigene Forschungseinrichtung, die Forschungsanstalt für Waldökologie und Forstwirtschaft (FAWF), ein eigenes Bildungszentrum für die Aus- und Weiterbildung, das Waldbildungszentrum in Hachenburg (WBZ) sowie ein Kompetenzzentrum Waldtechnik Landesforsten (KWL) und verschiedene Einrichtungen der Umweltbildung und Öffentlichkeitsarbeit, wie das Wald-Naturschutzzentrum bei Mainz, das Haus der Nachhaltigkeit im Pfälzerwald und das Walderlebniszentrum Soonwald.
Seit 2015 ist der komplette Staatswald in Rheinland-Pfalz neben PEFC™ auch FSC®- (Lizenznummer FSC®-C111982) zertifiziert. Unabhängige Prüferinnen und Prüfer kontrollieren, ob die 44 Forstämter die Nachhaltigkeitsstandards einhalten.
Das Projekt Schwammregion Soonwald-Nahe vernetzt Akteure aus Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Kommunen und weiteren Bereichen, um über Austausch und Praxisbeispiele Wissen und Handlungskompetenz aufzubauen und so viele kleine, dezentrale Maßnahmen in der Fläche anzustoßen. Das Projekt wird durch die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) gefördert und durch die Hochschule Geisenheim University, gemeinsam mit dem Naturpark Soonwald-Nahe und dem Regionalbündnis Soonwald-Nahe umgesetzt.
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