Wölfe in Sachsen-Anhalt Monitoringbericht 2024/25

24.11.2025 Pressemitteilung - Landesamt für Umweltschutz Sachsen-Anhalt

Wölfe in Sachsen-Anhalt Monitoringbericht 2024/25 - Landesamt für Umweltschutz Sachsen-Anhalt
Fopto: Peter Ibe

Der vorliegende Bericht enthält die Ergebnisse des Wolfsmonitorings des Landes Sachsen-Anhalt für den Zeitraum 01.05.2024 bis 30.04.2025. Daten zu mehr als 6200 Ereignissen. wurden in Zusammenarbeit der Akteure des Wolfsmonitorings und des Dezernates 44 des Landesamtes für Umweltschutz (Wolfskompetenzzentrum Iden, WZI) gemäß den nationalen Standardvorgaben erarbeitet, diskutiert und bewertet.

Zusammenfassung

In diesem Monitoringjahr (MJ) wurden insgesamt 38 Territorien bestätigt, davon 31 Rudel, fünf Paare und zwei territoriale Einzeltiere. Acht weitere Territorien liegen grenzübergreifend und werden von den Nachbarbundesländern gezählt. Für vier Territorien (VIE, ETB, WAH sowie ANG) konnte der Status nicht geklärt werden, weitere sieben Suchräume wurden zusätzlich über das aktive Monitoring beobachtet.

Notwendigkeit rückwirkender Aktualisierung

Im Monitoringjahr 2024/25 wurde anhand von Genetikproben in Kombination mit den Ereignissen aus den Fotofallen erkannt , dass es in den Territorien Mechau-Riebau (MRI), das im Vorjahr Status unklar hatte, sowie dem als neu erkannten Territorium Krina (KRI) bedeutende Veränderungen gegeben hat, die rückwirkend auf die Zahlen der Vorjahre angerechnet werden mussten. Das Territorium MRI gab es im Vorjahr bereits mindestens als Paar, da im Monitoringjahr 2024/25 Reproduktion nachgewiesen wurde. Die beiden Individuen, die die jetzige Verpaarung des Rudels KRI bilden, sind seit dem Monitoringjahr 2022/23 bekannt und auf großen Teilen des Elternterritoriums der Fähe aktiv. Da es in diesem Jahr erstmalig zu diesen beiden Tieren passende genetische Nachkommen gab, wurde die Verbindung rückwirkend anerkannt. Das gilt dann auch für die Paarphase im Monitoringjahr 2022/23. Deshalb wurde das Territorium bis dahin rückwirkend anerkannt.

Im Monitoringjahr 2024/25 gab es nur ein wirklich neues Territorium – das Paar Mehmke (MEH). Drei bekannte Territorien waren nicht mehr nachweisbar. Insgesamt ergibt sich mit der Aktualisierung aller Zahlen ein Territorium weniger als im Vorjahr.

Populationsentwicklung

In den 31 Rudeln wurden – wie im Vorjahr – 132 Welpen geboren. Die Zahl der potentiell reproduktionsfähigen Individuen ist mit 77 in diesem Monitoringjahr im Vergleich zum Vorjahr ebenfalls erstmalig gesunken. Die Mindest-Individuenzahl ist dennoch gewachsen, weil es insgesamt deutlich weniger abzuziehende Totfunde gab (insgesamt 15 Totfunde) und – anders als in den Vorjahren deutlich mehr subadulte Individuen in den Rudeln verblieben sind (64 im Monitoringjahr 2024/25). Die o.g. Populationsentwicklung wurde so ähnlich in ganz Deutschland beobachtet (s. www.dbb-wolf.de). Als limitierende Faktoren kommen etwa Krankheiten wie Parvovirose oder Staupe in Betracht, Verkehrsmortalität, illegale Tötungen sowie auch die zunehmende Ausschöpfung zur Besiedlung geeigneter Räume im Kernverbreitungsgebiet.

Entwicklung bei der Belegung von EEA-Rasterzellen

Ebenfalls erstmals rückläufig ist das Vorkommensgebiet anhand der EEA-Rasterzellen (10 x 10 km).Hier wurden mit insgesamt 113 Rasterzellen vier Vorkommenszellen weniger als im Vorjahr belegt.

Nutztierrrissgeschehen

Die Zahl der gemeldeten Übergriffe auf Nutztiere ist dabei in diesem Monitoringjahr rückläufig: von 63 im Vorjahr auf 48 Übergriffe im aktuellen Monitoringjahr.

Anlass und Zielstellung

Ziel der gesellschaftlichen Bemühungen Europas um die erfolgreiche Wiederausbreitung des Wolfes ist es, dieser vom Menschen ausgerotteten Art zu ermöglichen, aus eigener Kraft ihr ursprüngliches Areal wieder zu besiedeln. Das ursprüngliche Artareal des Wolfes umfasst den gesamten europäischen Kontinent, einschließlich der britischen Inseln. Der Wolf gehört auf europäischer Ebene zu den streng geschützten Arten (Stand: November 2025), auch wenn in Deutschland zurzeit aufgrund der erfolgreichen Ausbreitung, Bemühungen zum Herabsetzen des Schutzstatus umgesetzt werden. Die Begleitung der Populationsentwicklung des Wolfes ist eine zentrale und verpflichtende Aufgabe, die die Europäische Union an ihre Mitgliedsstaaten übertragen hat. Die Populationsentwicklung soll kontinuierlich jährlich überwacht und dokumentiert werden. Im Vordergrund des Managements der Art steht neben der Erfassung der Vorkommen der Schutz des Menschen und seiner Nutztiere. Über das Management und die Resultate ist regelmäßig Bericht an die Europäische Union zu erstatten. Artbezogene Verbreitungsdaten, Entwicklung der Population, sowie Aussagen zur Habitatqualität, aber auch zu anthropogen bedingten Beeinträchtigungen, sowie Maßnahmen des Managements sind zu dokumentieren, zu berichten und zu bewerten. In Sachsen-Anhalt widmet sich der jährlich erscheinende Monitoringbericht des Wolfskompetenzzentrums Iden der transparenten Darstellung sämtlicher umgesetzter Managementaufgaben in unserem Bundesland. Der Monitoringbericht ist die fachliche Grundlage für eine sachliche Diskussion unter den Akteuren. Gleichzeitig ist er ein Dankeschön an alle am Monitoring Beteiligten für die gute, konstruktive, kontinuierliche und intensive Zusammenarbeit.

Zum Seitenanfang

Methodik

Zuständig für das Monitoring in Sachsen-Anhalt ist das Landesamt für Umweltschutz Sachsen-Anhalt. Das Monitoring wird seit 2017 vom Wolfskompetenzzentrum Iden (WZI) organisiert, durchgeführt und fachlich begleitet. Zahlreiche regionale und lokale Akteure sind in die Datenerfassung, Verarbeitung und Bewertung eingebunden. Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, die Landesforstverwaltungen sowie zahlreiche Forschungskooperationen, Vereine und viele ehrenamtliche Akteure unterstützen das flächendeckende Monitoring sowie die Interpretation der erfassten Daten für Sachsen-Anhalt. Die Bewertung aller Daten erfolgt im nationalen und internationalen sowie institutionellen Austausch mit den zuständigen Länder- und Bundesfachbehörden und Forschungseinrichtungen. Das Monitoring besteht aus zwei Säulen, dem aktiven und dem passiven Monitoring. Im aktiven Monitoring werden durch die regionalen Akteure in den bekannten Territorien, in den Suchräumen und bei Häufungen von Meldungen des passiven Monitorings im Freiland Arthinweise und genetisches Material gesammelt sowie ein Fotofallenmonitoring installiert. Ziel ist es, herauszufinden, ob es sich um territoriale Wölfe handelt und wie viele Wölfe in welcher genetischen Konstellation insgesamt nachgewiesen werden können (Mindest-Individuenzahl und Reproduktionsdaten). Ein Monitoringjahr ist am biologischen Rhythmus des Wolfes ausgerichtet, es beginnt immer am 01.05. und endet am 30.04. des darauffolgenden Kalenderjahres. Die zweite Säule – das passive Monitoring sammelt alle eintreffenden Hinweise auf der gesamten Landesfläche ergänzend zu den Informationen des aktiven Monitorings.

Die Erfassung und Bewertung aller Ergebnisse und Informationen erfolgt anhand international angewendeter Standardmethoden. Hier sollen aufgrund der hohen Bedeutung für die kartografische Darstellung die für die Plausibilitätsprüfung wichtigen SCALP-Kriterien kurz erläuternd dargestellt werden.

C1 = Eindeutiger Nachweis. Dieser bestätigt die Anwesenheit der Art eindeutig und liefert valide Fakten. Dazu gehören Nachweise wie Lebendfang, Totfund, genetischer Nachweis, Telemetrieortung oder ein Foto, auf welchem alle Artmerkmale eindeutig erkennbar sind.

C2 = Bestätigter Hinweis. Dieser muss von einem erfahrenen Artspezialisten oder einer         -spezialistin überprüft sein. Der Hinweis liefert sowohl wichtige Informationen zum Vorkommen, als auch zur Populationsentwicklung und kann bei der Bestimmung der Individuenzahl oder der räumlichen Analyse helfen. Hierunter fallen Spuren, Losungen oder andere Hinweise, die den arttypischen Merkmalen entsprechen, aber die Kategorie C1 nicht erreichen oder erreichen können (z. B. Spuren).

C3 = Unbestätigte Hinweise. Hierbei kann der Wolf aufgrund mangelnder Indizienlage von einer erfahrenen Person/Artspezialist oder -spezialistin weder ausgeschlossen noch bestätigt werden. Dazu zählen Sichtbeobachtungen ohne Belege, unzureichende inhaltliche oder dokumentarisch belegte Informationen. Die C3-Informationen werden in den Vorkommenskarten nicht dargestellt, da hohe Verwechslungsgefahr mit anderen Arten oder hohe Unsicherheiten in der korrekten räumlichen Lage bestehen können. Dennoch können sie je nach Qualität in der Raumanalyse und/oder im zeitlichen Entwicklungsprozess des Vorkommens wichtige Informationsquellen sein.

Außerdem gibt es noch die Kategorie „Falsch“, bei welcher bei der Begutachtung des Hinweises der Nachweis einer anderen Art erfolgt sowie die Kategorie „nicht bewertbar“, bei welcher es aufgrund mangelnder Informationen in der Dokumentation unmöglich ist, konkrete Raum- oder Zeitbezüge herzustellen.

Alle Nach- und Hinweise werden entsprechend ihrem Funddatum in das jeweilige Monito-ringjahr eingeordnet. Um möglichst viele artspezifische Informationen erarbeiten zu können, wird darum gebeten, sämtliche Hinweise an das WZI zu senden. Das WZI setzt sich schnellstmöglich mit dem Melder oder der Melderin in Verbindung, um die Art des Hinweises und dessen räumliche und zeitliche Einordnung vornehmen zu können. Damit eine Verarbeitung im System möglich ist, müssen die Wolfshinweise folgende Mindestanforderungen erfüllen:

Wolfshinweise können über das Arten-Meldeportal des Landesamtes für Umweltschutz Sachsen-Anhalt gemeldet werden.

Zum Original-Beitrag: Wölfe in Sachsen-Anhalt Monitoringbericht 2024/25

24.11.2025 Pressemitteilung - Landesamt für Umweltschutz Sachsen-Anhalt

Das Copyright für Text-/ und Bildmaterial liegt beim genannten Original-Herausgeber.

Zurück zum Jagdschulatlas Magazin - News, PM & Beiträge aus Jagd & Forst

Anzeige
Gothaer Jagdversicherung

Landesamt für Umweltschutz Sachsen-Anhalt mit weiteren News, PM & Beiträgen


Jagdschulatlas Magazin - Herbst 2025 - Zu warm und mehr Sonne als im Durchschnitt
Herbst 2025 - Zu warm und mehr Sonne als im Durchschnitt
22.12.2025 Pressemitteilung - Landesamt für Umweltschutz Sachsen-Anhalt
Bildnachweis Foto: C. Geißler

Jagdschulatlas Magazin - Asiatische Hornisse erstmals in Sachsen-Anhalt gesichtet
Asiatische Hornisse erstmals in Sachsen-Anhalt gesichtet
15.09.2025 Pressemitteilung - Landesamt für Umweltschutz Sachsen-Anhalt
Bildnachweis Landesamt für Umweltschutz Sachsen-Anhalt

Jagdschulatlas Magazin - Vermehrte Wolfssichtungen in Petersroda und Umgebung
Vermehrte Wolfssichtungen in Petersroda und Umgebung
02.05.2025 Pressemitteilung - Landesamt für Umweltschutz Sachsen-Anhalt
Bildnachweis Landesamt für Umweltschutz Sachsen-Anhalt

Jagdschulatlas Magazin - Pflege artenreicher Lebensräume
Pflege artenreicher Lebensräume
10.04.2025 Pressemitteilung - Landesamt für Umweltschutz Sachsen-Anhalt
Bildnachweis Foto: LAU/F. Meysel

Jagdschulatlas Magazin - Wildkatzen erobern Lebensräume in Sachsen-Anhalt zurück
Wildkatzen erobern Lebensräume in Sachsen-Anhalt zurück
11.03.2025 Pressemitteilung - Landesamt für Umweltschutz Sachsen-Anhalt
Bildnachweis Landesamt für Umweltschutz Sachsen-Anhalt

Jagdschulatlas Magazin - Wolfsmonitoringbericht 2024 für Sachsen-Anhalt erschienen
Wolfsmonitoringbericht 2024 für Sachsen-Anhalt erschienen
02.12.2024 Pressemitteilung - Landesamt für Umweltschutz Sachsen-Anhalt
Bildnachweis Foto: K. Braun

Jagdschulatlas Magazin - Gottesanbeterin erobert Norden Sachsen-Anhalts
Gottesanbeterin erobert Norden Sachsen-Anhalts
13.08.2024 Pressemitteilung - Landesamt für Umweltschutz Sachsen-Anhalt
Bildnachweis Foto: Daniel Rolke (LAU)

Jagdschulatlas Magazin - Amphibienbestände in Sachsen-Anhalt bis zu 90 % eingebrochen
Amphibienbestände in Sachsen-Anhalt bis zu 90 % eingebrochen
07.03.2024 Pressemitteilung - Landesamt für Umweltschutz Sachsen-Anhalt
Bildnachweis Foto: Marcel Seyring

Jagdschulatlas Magazin - Ramsar-Gebiete in Sachsen-Anhalt
Ramsar-Gebiete in Sachsen-Anhalt
02.02.2024 Pressemitteilung - Landesamt für Umweltschutz Sachsen-Anhalt
Bildnachweis Foto: LAU/S. Ellermann

Jagdschulatlas Magazin - Zweiter verhaltensauffälliger Wolf entnommen
Zweiter verhaltensauffälliger Wolf entnommen
29.01.2024 Pressemitteilung - Landesamt für Umweltschutz Sachsen-Anhalt
Bildnachweis Landesamt für Umweltschutz Sachsen-Anhalt

Anzeige
ALUBOX

Jagdschulatlas Magazin - Drei tote Wölfe geborgen
Drei tote Wölfe geborgen
09.01.2024 Pressemitteilung - Landesamt für Umweltschutz Sachsen-Anhalt
Bildnachweis Landesamt für Umweltschutz Sachsen-Anhalt

Jagdschulatlas Magazin - Verhaltensauffälliger, räudekranker Wolf bei Zschornewitz entnommen
Verhaltensauffälliger, räudekranker Wolf bei Zschornewitz entnommen
01.01.2024 Pressemitteilung - Landesamt für Umweltschutz Sachsen-Anhalt
Bildnachweis Landesamt für Umweltschutz Sachsen-Anhalt

Zurück zum Jagdschulatlas Magazin - News, PM & Beiträge aus Jagd & Forst

Ihre News, PM oder Beiträge fehlen?

Jetzt Ergänzung für das Jagdschulatlas Magazin vorschlagen


Anzeigen
Anzeigen